MAN – Der Ausbau

Frühjahr 2017. Wir suchen ein Basisfahrzeug für unsere zukünftigen Reisen. Nach 1 1/2 Jahren unterwegs im südlichen Afrika haben wir unseren Woelcke Autarkrunner auf Sprinter 316 4×4 Basis geliebt. Doch lassen die Bodenfreiheit, die Zuladungsmöglichkeiten zu wünschen übrig. Wir sind uns auch nicht sicher, wieviele Jahre der Sprinter diese schlechten Pisten und Strassen mit oft hartem Wellblech mitmachen würde.

Basisfahrzeug MAN 14.285

Nach längerer Suche werden wir fündig: bei DAZ-Truck in Göttingen (D) steht ein blauer MAN 14.285. Der Kauf ist einfach und schwierig zu gleich. Schwierig deshalb, weil wir keine Ahnung von LKW’s haben. Worauf müssen wir achten? Zum Glück stammt das Fahrzeug ursprünglich aus der Schweiz, das gibt bezüglich Wartung etwas Vertrauen und wir schlagen zu, schliesslich wollen wir nicht jahrelang zu Hause sitzen und auf ein neues Fahrzeug warten.

  • Gesamtgewicht 14 Tonnen
  • 6-Zylinder Reihenmotor, Hubraum 6871 ccm, Turboladung u. Luftkühlung, Verteilereinspritzpumpe elektronisch geregelt (EDC)
  • Leistung 280 PS / 206 Kw / Euro 3
  • Manuelles Schaltgetriebe 8+1 Gang Doppel-H
  • Zuschaltbarer Allradantrieb, Sperrdifferenzial hinten
  • Tempomat
  • Radstand 356 cm

Füss Mobile

Weshalb haben wir uns entschieden, unser neues Fahrzeug bei Füss Mobile bauen zu lassen?

  1. Die besichtigten „Füss Fahrzeuge“ haben uns von einer sauberen und qualitativ hochwertigen Bauweise überzeugt. Füss besitzt auch das Gütesiegel von
  2. Die Firma Füss baut nur LKW’s aus und verfügt über ein dementsprechend hohes Know-How mit LKW’s. Unsere Besuche in der Werkstatt haben uns von hohem handwerklichen Können überzeugt.
  3. Bei Füss wird nicht nur der Expeditionsausbau (Wohnkoffer, Tanks, etc.) vorgenommen, sondern auch unser Basisfahrzeug restauriert.
  4. Die Kommunikation mit dem Inhaber, Frank Oechsner, erlebten wir sehr positiv. Emails werden innert Tagesfrist beantwortet, Fragen ausführlich erörtert.
  5. Bei wichtigen Arbeiten steht auch der Chef mal in der Werkstatt und kontrolliert und hilft mit.

Basis Fahrzeug abbauen

Kaum ist der Vertrag unterzeichnet, steht unser MAN auch schon in der Werkstatt und die nicht mehr benötigten oder störenden Anbauteile werden demontiert.

Die Fahrerkabine ist in gutem Zustand, mit Ausnahme des Rostlochs im Boden, das zugeschweisst werden muss. Die Stossdämpfer und Bremstrommeln sind zu ersetzen. Der Rest befindet sich in erstaunlich gutem Zustand.

Basis Fahrzeug restaurieren

Endlich ein glücklicher Samstag im September, der Sandstrahler hat Zeit und das Wetter ist trocken. Das Fahrwerk des MAN kann sandgestrahlt werden.

Nach dem Sandstrahlen muss das Fahrwerk umgehend grundiert und lackiert werden, damit das blanke Metall nicht wieder oxydiert. Eine kräftezehrende Arbeit. Die Firma Füss arbeitet mit einem speziellen Lackersystem. Die Grundierung und die Farbe wird mit hohem Druck deckend aufgetragen. Das bedeutet, dass konstant gearbeitet werden muss, auch in den unbequemsten Stellungen unter dem Fahrzeug. Aber das Endresultat kann sich sehen lassen!

Zwischenrahmen

Die Fahrwerke der meisten LKW’s sind in sich flexibel, also nicht starr. So können sie sich auf unebenem Untergrund verwinden bzw. verschränken. Die Wohnkabine jedoch kann und soll sich nicht verschränken – was würde uch mit dem gesamten Mobiliar geschehen?

Wir erhalten eine Vierpunkt-Lagerung, auch Rautenlagerung genannt. Diese Lagerung des Zwischenrahmens gewährleistet dem Fahrwerk möglichst grosse Verschränkungsfreiheit und schützt zugleich die Wohnkabine vor diesen Verwindungskräften.

Nach dem Verzinken werden die letzten Arbeiten ausgeführt und der Zwischenrahmen kann montiert werden. Alles passt perfekt. Inzwischen wurde auch die Fahrerkabine neu lackiert und zwar in der Mercedes Sprinter Farbe Blau-Grau. Auch der Ausschnitt für den Durchgang von der Wohnkabine ins Fahrerhaus in der Grösse von 60×90 cm wurde realisiert. Schön, es geht vorwärts!

Wohnkabine

Die Wohnkabine wird aus 60 mm GFK-Sandwiche-Platte gefertigt. Aussen 3 mm GFK, 55 mm Polyurethanschaum, innen 2 mm GFK. Die Platten werden pünktlich aus Holland angeliefert – leider ist eine Seitenwand vom Hersteller zersägt und bei der Frontplatte stimmen die Ausschnittmasse nicht. Dennoch wird mit dem Zusammenbau der GFK-Wohnkabine begonnen. Die fehlenden Teile werden nachgeliefert, verzögern aber den Bau der Kabine um etwa zwei Wochen. Die kleinere Kabine – mit einer Innenlänge von 5.40 m, einer Innenbreite von 2.30 m und einer Innenhöhe von 2.06 m – ist unsere Kabine.

Heirat

Im Leben unseres MAN ist heute ein grosser Tag, denn die inzwischen lackierte Wohnkabine wird aufgesetzt. Natürlich werden die Werkstatt-Rädchen später noch gegen 3-teilige Sprengringfelgen und anständige Bereifung ausgetauscht.

Heirat_MAN_Kabine-7457

Schreiner Rohausbau

Die auf den Ausbau von Expeditionsfahrzeugen spezialisierte Schreinerei Achim Speker im Nachbarort Laucherthal besorgt den Schreiner Innenausbau. Etwa 8 Wochen lang steht der MAN bei Achim Speker.

Mit dem Ausbau wird im Heck des Fahrzeugs begonnen. Die Oberschränke über dem Bett werden zuerst montiert, danach die Bettplatte – darunter liegt unser grosser Heckstauraum. Danach folgt der grosse Stauschrank und der Kühlschrank-Einbauschrank, die den Schlaf- vom Wohnbereich auch optisch abtrennen.

Schreiner-Rohbau-

Wir stehen in der zukünftigen Dusche und schauen nach hinten. Rechts die Küchenzeile, danach der Einbauschrank für den Kühlschrank, links davon der grosse Stauschrank.

Innen Füss-7728

Blick vom Bett nach vorne

Innenausbau Füss – 1

Nach etwa 8 Wochen steht der MAN wieder in der Fertigungshalle der Firma Füss. Umgehend wird mit den Elektroarbeiten begonnen. Kabelkanäle legen, Kabel einziehen, Steckdosen setzen und vorbereiten etc.

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In bester Gesellschaft

Umbereifung

Wir haben uns für einen „Halb-Stollen-Reifen“ entschieden und sind damit den Empfehlungen von Pistenkuh und Abseitsreisen gefolgt.

Continental HCSDie 6 Continental HCS 365/85 R20 mit Last-/Geschwindigkeitsindex von 164/J dürfen mit je 5000 Kg beladen und dabei mit einer Geschwindigkeit von 100 Km/h gefahren werden. Sie sind ein Zwischending zwischen Stollen- und Baustellenreifen und tragen dem Umstand Rechnung, dass auf unseren Reisen zu 70% oder 80% auf guten Schotterstrassen oder auf Teerstrassen gefahren wird. Zudem hoffen wir, mit diesen Reifen eine höhere Laufleistung als mit den Stollenreifen (wie z.B. die Michelin XZL MPT) zu erreichen.

Montiert sind die Conti HCS auf 20-10″ dreiteilige Sprengringfelgen. Die Sprengringfelge kann bei unsachgemässer Handhabung gefährlich sein, bietet aber die Möglichkeit, einen Reifenwechsel ganz ohne Maschinen auch selber durchzuführen, was wir für unser Reiseziel Afrika als notwendig erachten.

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