Let’s go!

Swiss LX288

… plötzlich sitzen wir im Flugzeug, Flug LX288 von Swiss. Unsere Sitzplätze in der Reihe 23 verfügen über grössere Beinfreiheit und weil direkt hinter der Business Class liegend, sind sie relativ ruhig. Wir starten bei Schneegestöber und landen in Johannesburg bei strahlendem Sonnenschein. Keine Jetlag nach Südafrika. Wir schätzen diesen Nachtflug, da wir in der Regel einige Stunden schlafen können.

Vreni darf zum Start – Ernie zur Landung im Cockpit Platz nehmen. Der Captain und die Copiloten sind äusserst entspannt und uns gegenüber sehr kollegial. Wir staunen, mit welcher Routine und Ruhe die Checklisten durchgegangen werden und miteinander kommuniziert wird. Das schafft in uns ein starkes Vertrauen. Das Miterleben von Start und Landung im Cockpit ist ein Erlebnis von der Grössenordnung wie seinerzeit, als wir zum ersten Mal vor einem richtigen Meerschiff standen. Gewaltig und unvergesslich.

Am Hang

Nein, nicht wir sind „am Hang“, sondern die Farm RM 25 zwischen Magaliesburg und Rustenburg trägt den Namen „Am Hang“. Walter – ein vor über 40 Jahren ausgewanderter Schweizer – und seine Frau Karin betreiben auf Ihrer 150 Hektar grossen Farm einige „Self-Catering“ Unterkünfte (Ferienwohnungen). Die Farm liegt zwei Autostunden vom Flughafen Johannesburg, am südlich ausgerichteten Abhang der „Magalies-Bergkette“. Herzliche Aufnahme! Unser Quartier liegt in einem tropisch anmutenden Garten. Sehr sauber, geschmackvoll ausgestattet! Wir fühlen uns wohl und bleiben fünf Nächte, um uns ans Klima und die Wärme zu gewöhnen.

Unser Camper ist da!

Mit drei Tagen Verspätung trifft die „TOPEKA“ im Hafen von Port Elizabeth ein. Am Donnerstag, 3. Dezember 2015 können wir unseren Camper im Hafen in Empfang nehmen. Er ist absolut unversehrt – und nichts fehlt! Nur eine Stunde Wartezeit. Der Zollbeamte ist sehr hilfsbereit und zuvorkommend und heisst uns in Südafrika herzlich willkommen.

The Willows Resort, einige Kilometer ausserhalb von Port Elizabeth, verfügt auch über einen schönen Caravan Park. Hier machen wir unseren Autark Runner reisefertig. Der Heckträger wird montiert, die Oberschränke erhalten zusätzliche Tablare und das Gepäck wird im Innenraum und im Hechstauraum verstaut.

Freude herrscht! Wir sind glücklich über unser fahrendes Zuhause.

4×4 Training

Mit der Einzelfirma „Just 4×4 Adventure“ mit Sitz in Bleomfontein haben wir auf Empfehlung ein 4×4 Intensivtraining vereinbart, das zwei bis drei Tage dauern soll. Etwa zwei Wochen vor dem Training melden wir uns sicherheitshalber nochmals per Email, erhalten jedoch erst Tage später eine Antwort und realisieren, dass uns unser Trainer vergessen haben muss. Er selber befindet sich zur Zeit in Namibia und trainiert dort namibische Armeeangehörige. Für uns wird in Eile ein Ersatz organisiert, der 82-jährige ehemalige Firmeninhaber. Wir wissen allerdings noch immer nicht, wo das Training stattfindet und wo wir uns wann einfinden müssen. Unsere mehreren diesbezüglichen Anfragen versanden – wir beginnen an unserer Kommunikationsfähigkeit zu zweifeln. Endliche habe ich den 82-jährigen Ersatztrainer am Telefon – Jannie ist erstaunt, dass wir nicht wissen, wo wir uns einfinden müssen. Anstatt um 8 Uhr, wie vereinbart, beginnt das Training erst um 10 Uhr.

Jannie erzählt uns, dass er den Ad-Hoc-Auftrag zuerst vehement abgelehnt habe – „er wolle keine Europäer unterrichten, die seien sich an Berge und nicht an sandige Flächen gewohnt …“. Wir finden sofort den Draht zueinander – Berge und sandige Ebenen hin oder her! Seine praxisbezogene Theorie ist anschaulich und verständlich. Unsere Ausrüstung wird gecheckt und Jannie macht uns auf Gefahren aufmerksam. Z.B. sind Anhängevorrichtungen, wie sie für Wohnwagen etc. benutzt werden, zum Abschleppen ungeeignet, da nicht für diese Gewichte ausgelegt. Bricht der Hacken der Anhängevorrichtung, kommt durch die Zugkraft am Abschleppseil die Kugel der Anhängevorrichtung wie eine tödliche Bombe geflogen …

Am Nachmittag sind die ersten praktischen Fahrübungen geplant. Aber eben nur geplant, denn wir müssen feststellen, dass die Äste der Bäume zu tief sind oder unser Camper zu hoch. Wir können nicht zum Übungsgelände fahren. Da wir die Fahrzeuggrösse bei der Anmeldung angegeben haben, hätte just4x4adventure.co.za wissen müssen, dass unser Fahrzeug nicht auf sein Übungsgelände fahren kann …

Jannie versteht die Welt auch nicht mehr, lässt nun aber seine Beziehungen spielen und setzt sich mit der 4×4 Firma Safari 4×4 in Bloemfontein in Verbindung.

Anstelle des strukturiert geplanten 4×4 Trainings mit abschliessendem Zertifikat brechen wir die Übung ab und fahren zu Safari 4×4 in Bloemfontein, wo wir fehlende Ausrüstungsgegenstände kaufen, z.B. einen Druckluftkompressor zum befüllen der Reifen, Schäckel, Recovery Strap u.s.w. Der Firmeninhaber, Nelus Bantjes, bedient uns persönlich. Er ist bereit, uns einen Tag für ein „Ersatztraining“ zu widmen, obschon die Festtage und die Betriebsferien seiner Firma bevorstehen. Wir werden zum Caravan Park des Maselspoort Resort begleitet.

Am zweiten, improvisierten Trainingstag folgen praktische Übungen. Der richtige Reifendruck für unser Fahrzeug auf Schotter und Sand, wie wird ein Fahrzeug aus Sand und schlamm befreit, wo und wie muss der Recovery Strap (ein elastisches Seil) befestigt werden und vieles mehr. Am Nachmittag haben wir Gelegenheit unseren Autark Runner im Gelände zu testen. Die beiden Trainer, Nelus und Jannie sind erstaunt über die Fähigkeiten und das angenehme Fahren mit dem Mercedes Sprinter.

Jannie und Nelus setzen alles daran gesetzt, uns wenigstens die Basics für die bevorstehende Reise mitzugeben. Wir dürfen jederzeit anrufen und um Rat oder Hilfe bitten. Als unbekannte Europäer aus den Bergen sind wir gekommen – als Freunde mit einer persönlichen Einladung „in der Tasche“ und einem „God blesse you“ sind wir gegangen.