Central Kalahari Game Reserve

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Ausflug mit Expeditionscharakter

Das CKGR – Central Kalahari Game Reserve – ist 52’000 km2 gross und somit 1 1/4 mal so gross wie die Schweiz. Es liegt, wie es der Name schon andeutet, im Kalaharibecken und ist eines der wenigen noch grossen Rückzugsgebiete. Die Kalahari ist keine Wüste sondern zählt zu den semi ariden Zonen mit etwa 200mm Regen pro Jahr.

In unserem Reiseführer Botswana aus dem Reise Know How Verlag steht, dass eine Reise in die Zentral Kalahari „Expeditions-Charakter“ habe. Das ist sicher auch korrekt und man sollte nicht unvorbereitet in die Zentral Kalahari reisen. Wer allerdings erwartet, absolut alleine zu sein,  könnte enttäuscht werden. Im Besonderen in den Bereichen Deception und Passarge Valley ist mit Begegnungen nicht nur mit Tieren, sondern auch mit „Menschen“ zu rechnen.

Noch etwas: wer Angst davor hat, sein Fahrzeug könnte Kratzer abbekommen, sollte lieber nicht in die Zentral Kalahari fahren. Seit unserem Besuch im CKGR wissen wir nämlich was es heisst, wenn jemand sagt, „er gehe in den Busch“. So ein stellenweises Buschdickicht kann man sich in Europa kaum vorstellen. Nicht genug, viele Büsche sind mit kräftigen Stacheln ausgestattet und wenn man da durch fährt, kratzt und quietscht es so heftig und unangenehm, dass man es schon bald gar nicht mehr hören möchte. Seitdem besitzt unser Sprinter – vor allem der lackierte Aufbau – eine Dornen-Busch-Savanne-Patina, sprich ist völlig verkratzt.

Weitere Informationen im Beitrag „Central Kalahari Game Reserve“

Mit grossem Respekt

Am 17. April 2016 fahren wir von Rakops aus, dem „letzten Vorposten der Zivilisation“ die etwa 45 Km zum Matswere Eingangstor des Game Reserves. Wir haben grossen Respekt vor dieser Reiseetappe. Einerseits, weil wir uns den Zustand der Fahrwege katastrophal vorstellen, andererseits weil wir die Leistungsfähigkeit des 4×4 Sprinters noch zu wenig kennen. Unsere Brauchwasser-Reserven haben wir noch nicht aufgefüllt, es soll gutes Wasser aus einem Bohrloch am Matswere Eingangstor geben.

Die für die Camps zuständige Mitarbeiterin von Bigfoot-Tours und der Offizier des Game Reserves sind sehr freundlich. Ich frage ihn nach dem Wasserhahn, wo wir unser Wasser auffüllen könnten. Da verzieht er seine Miene – „Wir haben kein Wasser hier, unser Bohrloch gibt kein Wasser mehr her, wir erhalten unser Trinkwasser mit Tankwagen zugestellt“. Schliesslich meint er, wir seien ja ihre Gäste und sie für uns da, also würde er schon eine Lösung finden. Nach Rücksprache mit seinem Boss führte er uns zu einem grünen Tank hinter einem Haus von Gamer-Reserve-Mitarbeitern. Der Boden ist übersät von Splittern zerschlagener Bierflaschen. Einige Bierflaschen stehen oder liegen an einer Ecke des Hauses. Aus Respekt fotografieren wir dieses Szenerie nicht, denken jedoch, dass da jemand in der Abgeschiedenheit ein Problem mit Alkohol haben muss.

Das Wasser aus dem grünen Tank ist Regenwasser. Wir haben zwar einen Wasserfilter und desinfizieren auch mit Silberjonen, wollen aber kein Risiko eingehen und beschliessen, dieses Wasser nicht zum Kochen und Zähneputzen zu verwenden. Zum Glück haben wir genügend Trinkwasser dabei.

Ganz anders vorgestellt

Ja, richtig. Die Zentral Kalahari haben wir uns ganz anders vorgestellt. Viel Sand, kaum Bewuchs, lediglich einige Büschlein und Gräslein und hie und da ein Kameldornbaum,  Tiefsandige Fahrwege etc…. – und nun  das hier: Büsche soweit das Auge reicht und in den tiefer gelegenen Pfannen sehr viel Gras und sogar echt hohe Bäume bzw. Bauminseln in den riesigen Grasflächen. Wir sind perplex.

Auf dem Camp angekommen, gibt’s gleich etwas zu essen. Wir posieren noch für ein Bild, aber nicht lange. Kaum steht Essen auf dem Tisch um-summen uns zahlreiche Fliegen. Sie setzen sich nicht nur auf’s Essen, sondern an unsere Ohren, Nasen, Mundwinkel und Augen … schnell ins Auto und Moskitonetz zu! Im Abendlicht fahren wir durch einen Teil des Deception Tals und geniessen die goldenen Sonnenstrahlen.

Deception – Letiahau

18.4.16 – Heute fahren wir nur 50 Km – aber 15 anstrengende Kilometer, den kilometerweise führt der Fahrweg durch dicht verbuschtes Land. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei etwa 15 Km pro Stunde.

Mit entgegenkommenden Fahrzeugen gibt’s in der Regel einen kurzen Schwatz von Fenster zu Fenster. „Habt ihr Löwen gesehen?“ „Nein und ihr?“ „Wir auch nicht“! Natürlich ist es die Krönung eines Tages, ein Raubtier zu sichten. Doch wir freuen uns auch an den kleinen und unscheinbareren Dingen – und an der Einsamkeit und am weiten Horizont.

Nach Sonnenuntergang lullen uns die klickenden Geckos in den Schlaf.

Letiahau – Piper Pans

19.04.16 – Vergangene Nacht war unruhig. Aussen Löwengebrüll, auf unserem Dach hören wir deutliche Schritte – ein Leopard auf dem Dach oder doch nur eine Eule? Wir wissen es nicht. So oder so: das Morgenglühen ist wunderschön und wir sehen es nur, weil wir während der Nacht nicht auf dem Camp sondern auf dem Zufahrtsweg stehen.

Piper Pans

20.04.16 – WOW und nochmals WOW, so gut gefallen uns die Piper Pans. Einsamkeit und das wogende Grasmeer, und dann noch die Farben des Himmels bei Sonnenaufgang. Ja, ja, auch der Langschläfer Ernie hat seinen inneren und äusseren Rhythmus umgestellt. Es ist einfach herrlich, schon vor Sonnenaufgang aufzustehen. Nun gut, jetzt wird etwas geblufft – die Überwindung ist nämlich nicht so gross, denn die Sonne geht um etwa 7 Uhr auf. Dennoch, um 5:30 Uhr wird aufgestanden.

Nach dem Sonnenaufgang fahren wir um die Pans herum. „Schau, da ist ein Secretary Bird“ sagt Vreni. Ja, sie sieht die Tiere oft schneller und treffender als Ernie. Normalerweise laufen die Sekretärsvögel so schnell weg, dass man sie meist nur von hinten fotografieren kann. Diesmal jedoch nicht. Uns gelingt eine ganze Serie. Übrigens „Sekretär Vogel“ heissen sie auf Grund der langen Federn am Kopf, die aussehen wie die früher gebräuchlichen Federn, die man im Mittelalter zum Schreiben genutzt hat.

Eine Gnu Herde macht sich soeben auf aus ihrem Nachtlager. Als sie uns sehen, zögern sie – wir fahren wieder rückwärts um ihnen Raum zu geben und so geht es etliche Male.

Die Borstenhörnchen sind häufig anzutreffen – man kann ihnen kaum ausweichen … denn oft bauen sie die grössten Löcher direkt in den Fahrwegen. Sind sie die wahren Helden des Central Kalahari Game Reserves?

Piper Pans – Phokoje – Passarge Valley

21. und 22.04.2016 – Schade, wir hatten so gehofft eine Raubkatze zu sehen, aber nichts, rein gar nichts. Auf dem Letiahau Camp hörten wir in der Nacht wenigstens das Brüllen eines Löwen …

Die Erkundungsfahrt setzen wir fort und gelangen innert zwei Tagen ins Passarge Valley.

Motopi und Passarge Valley

23. und 24.04.2016 – Vom Passarge Valley machen wir uns auf nach Motopi. Eine anstrengende, aber schöne Strecke. Wir hoffen auf das Wasserloch an der Motopi Pfanne – aber vergeblich. Wir sehen frühmorgens einen Löwen etwa 5 Sekunden von hinten – das ist alles.

Romantisches Erwachen auf dem Passarge Valley Camp 02.

Sunday- und Leopard Pan

25. und 26. April 2016 – Offenbar muss genügend Wasser irgendwo im Hinterland vorhanden sein, aber auch an der Leopard Pan keine Raubkatzen.

Vogelgesang am frühen Morgen

 

Die 10 Tage Central Kalahari gehen nur zu schnell vorüber. Wir wären gerne noch geblieben, aber unsere Wasservorräte sind beinahe erschöpft. Also brechen wir auf.

Auch wenn wir keine Raubkatzen beobachten konnten – die Abgeschiedenheit und die Ruhe und das auf sich selber gestellt sein sind einmalige Erlebnisse. Wir denken mit etwas Wehmut an die schönen Tage zurück, auch wenn man dies vielleicht auf Grund der Bilder höchstens erahnen kann.

Weitere Infos zur Zentral Kalahari findest du hier!