Kaokoveld

Kaokoveld Video siehe ganz unten

Kaokoveld wird das unwegsame Gebiet im Nordwesten von Namibia genannt. Es liegt zwischen den Bergen des Hochplateaus und der Namibwüste im Westen. Das Kaokoveld gilt als unzugänglich und grosse Herausforderung für „Full-Size“ 4×4 Fahrzeuge.

Uns reizt dieses Gebiet natürlich sehr – doch können wir es mit einem 4×4 Sprinter wagen? Unterstützung erhalten wir von erfahrenen Reisekollegen aus der Schweiz und aus Südafrika.

Opuwo – D3707

Am 6. Juni machen wir uns auf, starten frühmorgens in Opuwo und fahren bis Kaoko Otavi. Die „Strasse“ – D3707 – sollte nach unserer GPS-Karte Tracks4Africa noch weitere 70 Km „gut“ sein, erst entlang dem Hoarusib-Fluss sollte sie in eine unwirtliche Piste übergeben. Aber weit gefehlt. Nach Kaoko Otavi geht die Schotterstrasse in eine bereits herausfordernde Piste über, die nur noch eine Stundenleistung von etwa 15 Km zulässt. Schon kommen zwei Trockenfluss-Durchquerungen, die von Osten kommend sehr steil sind und den Geländegang erfordern. Uns sinkt das Herz in die Hose und wir denken schon ans Aufgeben, weil wir denken, dass die Pistenzustände nur noch schlimmer sein können. Doch wie das so ist, die Neugier treibt einem dann dennoch vorwärts. Zum Glück.

Vor Anspannung vergessen wir leider in den spannendsten Momenten das Fotografieren. Die Strecke ist einsam, kaum Menschen, noch weniger Fahrzeuge – dafür traumhafte Stille und grandiose, immer wieder wechselnde Landschaften.

Dreimal muss der Hoarusib-Fluss überquert werden. die Erste Überquerung ist noch etwas feucht und da liegt auch noch Wasser im Flussbett, die zwei weiteren sind tiefsandig. Doch der Sprinter meistert alle Passagen. Danach klettert die D3707 wieder hinein ins Gebirge und wird felsig, steinig und schmal. Da wir unser heutiges Ziel nicht mehr erreichen, campen wir hinter einem Hügelchen in schönster Landschaft. Ein lauer Abend bis hin zum gewaltigen Sternenhimmel über uns – und danach friedlicher Schlaf.

Marble Camp

Am nächsten Morgen, 7. Juni, geht die Fahrt weiter zum Marble Camp, nördlich von Orupembe. Die Strecke ist mühsam, aber problemlos zu schaffen. Auf dem Marble Camp wird Gitarre geübt. Das zieht natürlich die Dorf-Jugend an.

Orupembe – Puros

8. Juni: Nächstes Ziel ist Puros am Hoarusib-Fluss. Hier soll es Wüstenelefanten geben, was einer der Hauptgründe unserer Reise durch das Kaokoveld ist. Zuerst aber wollen wir Orupembe sehen und den dortigen Shop, wo es kühles Bier zu kaufen geben soll.

Und ja, es gibt kühles Bier zu kaufen! Die D3707 biegt sich auf dem Weg nach Puros in Richtung Westen, so dass man dem Rand der Namib Wüste nahe kommt. Für uns wiederum eine eindrückliche Landschaft. Allerdings lässt die stark wellblechige Piste kaum Geschwindigkeiten von über 15 Km / Stunde zu. Wir erreichen Puros deshalb erst gegen Abend. Ein einziges Fahrzeug ist uns auf dieser Strecke begegnet.

Puros

9. und 10. Juni: Immerhin, bis hierher haben wir’s geschafft. Wir ruhen aus.

Am zweiten Tag nehmen wir uns einen „Führer“ mit Vornamen „Max“ und besuchen das hiesige Himbadorf. Allerdings ist der Zerfall der Himbakultur hier bereits sichtbar. Es gibt keinen richtigen Rinderkraal mehr im Dorf. Das Dorf lebt einzig und alleine von den Einkünften der Touristen, ist also so etwas wie ein lebendes Museum. Danach führt uns Max – Bruder der Campingplatzwartin – den Hoarusib Fluss hinab, weil wir die Wüstenelefanten sehen wollen. Die Wasserdurchfahrten sind alle problemlos, solange man auf der Hauptpiste bleibt. Schliesslich sehen wir die Elefanten, kommen aber kaum zum Filmen und Fotografieren, denn kaum kommen die Elefanten aus dem Busch heraus, will unser Führer unverzüglich losfahren oder dann müssen wir so weit entfernt anhalten, dass kaum ein gutes Bild gelingt. Warum? Unser Führer hat unsäglich Angst, es könnte etwas geschehen. So bleibt uns also nichts anderes als der Rückzug und wir haben den Eindruck, dass die Wüstenelefanten gleich auf uns losstürzen, sobald sie uns entdecken würden …. wir haben leider vergessen nachzufragen, ob unser „Führer“ auch eine Lizenz besitzt – wohl eher nicht ….

Puros – Hoanib Fluss

11. Juni: Die Sorgen, wie wir durch den Sand auf der östlichsten Route an den Hoanib Fluss kommen waren vergebens, wieder einmal mehr haben wir uns umsonst gesorgt. Zwar langsam aber stetig durchfahren wir wieder eine grandiose und einsame Landschaft. Allerdings, hier eine Panne haben wäre ein Katastrophe und könnte tausende von Franken kosten, weil Hilfe sehr, sehr weit weg wäre. Glüchlich schaffen wir es rechtzeitig ins Flussbett des Hoanib und finden unseren schönen Übernachtungsplatz etwas erhöht am Hoanib. Allerdings schaffen wir die Auffahrt erst nach Schaufeln und mit grossem Anlauf.

Wüstenelefanten im Hoanib

Und wir sehen sie, die Wüstenelefanten im Hoanib. Mindestens 20 Elefanten in kleinen Gruppen. Allerdings ob es sich hier um Wüstenelefanten handelt oder um Elefanten, die aus der Etosha Region hierher gewandert sind, wissen wir nicht. Andächtig beobachten wir die Elefanten und dabei schwindet die uns durch Max eingeimpfte Angst nachhaltig. Da Bilder mehr sprechen als Worte, sei an dieser Stelle nicht weiter getippt. Das, was man hier erlebt, kann man so oder so, nicht zu Papier bzw. auf den Bildschirm bringen.

Hoanib – Palmwag Crowther 4×4 Trail

12. und 13. Juni: Ein Schweizer Kollege hat uns geschrieben, dass der Palmwag Crowther 4×4 Trail seine Lieblingsstrecke sei. Nun denn, wenn wir schon so weit gekommen sind, wagen wir auch diesen Trail. Wir benötigen dazu satte 2 Tage, würden ein nächstes Mal eher 3 Tage veranschlagen um genug Zeit für Tierbeobachtungen zu haben. Die Auffahrt nach dem Hoanib Fluss ist mühsam. Der Trail steigt über viele Kilometer in einem Flussbett auf die Hochebene hoch. Dauernd wechselt der Untergrund von Sand zu Kies zu Geröll etc. Ständiges Schalten ist nötig, 1. Gang, 2. Gang und zurück. Das geht aber auch auf der Hocheben so weiter, da viele erst beim Näherkommen zu entdeckende Querfurten ein ständiges Abbremsen und Gasgeben erfordern. Echt ermüdend. Aber es hat sich gelohnt. Wir nächtigen auf dem Crowther Camp, ganz oben auf einem Hügelchen. Absolute Stille, nur der Wind flüstert.

Die Weiterfahrt bis Palmwag verläuft wie am Vortag. Schliesslich erreichen wir Palmwag rechtzeitig vor Sonnenuntergang. Unsere Fahrzeugtüre steht offen – da schlurft plötzlich ein Elefantenbulle um unseren Sprinter – wir hätten ihn aus dem Fahrzeug heraus berühren können. Danach tur er sich am Elefantengras gütlich. Ein schöner Abschluss für unsere Kaokoveld-Tour.

Video

Mit diesem Video wollen wir etwas von der Reiseatmosphäre im Kaokoveld wieder zu geben. Wer das Kaokoveld noch nie bereist hat, den werden die Strassen und Wege interessieren, wer es bereist hat, wird in Erinnerungen schwelgen können. Mit 28 Minuten ist Kaokoveld vielleicht etwas lange geraten. Wir wollen jedoch bewusst auch die Fahrstrecken – wir sassen schliesslich stundenlang hinter dem Steuerrad – ebenfalls wiedergeben. Viel Spass und auf Reaktionen freuen wir uns sehr.