Von Süden her …

Klein Manasse

Von Upington in Südafrika her kommend überqueren wir am 14. Mai 2016 die Grenze bei Rietfontein / Klein Manasse. Insgesamt dürfen Deutsche und Schweizer und andere Nationen für insgesamt 90 Tage pro Kalenderjahr in Namibia reisen. 45 dieser 90 Tage haben wir für Namibia Süd bereits „verbraucht“. Um unsere Reiseplanung für den Norden Namibias durchführen zu können würden wir jedoch nochmals 90 Tage benötigen.

An der Grenze auf südafrikanischer Seite werden wir gut gelaunt und freundlich behandelt. Eine Bibel liegt offensichtlich auf dem Pult der schwarzen Beamtin, die uns bedient. „Ja, sie würde regelmässig in der Bibel lesen“ antwortet sie auf unsere Frage. „Schön, tun wir auch“ antworten wir und verabschieden uns mit fröhlichem Winken, während der Schlagbaum hochgehoben wird.

Jetzt Namibia – die Spannung steigt. Geschieht das Wunder, dass wir nochmals 90 Tage in Namibia bleiben können?

Wir füllen das Einreiseformular aus, worin wir erneut 90 Tage für Namibia wünschen. Der Einwanderungs-Beamte grüsst uns freundlich „gebt doch die Pässe und die Formulare her“ – „Ja wir wollen die Formulare eben pflichtbewusst ausfüllen“. Wir reichen ihm unsere Pässe – Bumm, Bumm … Die Stempel fliegen nur so auf unsere Pässe herunter, danach der Eintrag von Hand … wir trauen uns gar nicht hinzugucken. „Schau her, oh Wunder, wir haben nochmals 90 Tage erhalten!!!!“

Der Kurze Blick ins Fahrzeug dient eher dem persönlichen Interesse als der Kontrollpflicht des Zöllners. Danach ist die Durchfahrt frei und da es schon spät am Nachmittag ist fahren wir nur noch die gut 3 Km bis zur Schanzkolk Farm, wo man campen kann.

Schanzkolk Farm

Die Schanzkolk Farm liegt zwischen der Grenze und dem kleinen Versorgungsort Aroab. Die Farm gehört deutschen Einwanderern und wird durch den Hugenotten Stämmigen Schwiegersohn bewirtschaftet. Seine Farm sei mit 8000 Hektaren (80 Km2) eine kleine Farm, es würde Farmer in der Gegend mit 40’000 Hektaren geben (400 km2).

Da wir autark sind, dürfen wir am kleinen See der Farm stehen und entschliessen uns gleich noch eine Nacht dazuzugeben, weil es hier so schön ist. Da unsere grosse Lebensmittelschublade nicht mehr richtig auf- und zugeht, reparieren wir diese gleich. Gut, dass wir Ersatzteile und Werkzeug dabei haben.

Ausgerechnet hier?

Eine so schöne Schotterstrasse wie diese von Aroab nach Keetmanshoop – und ausgerechnet hier passiert’s. Vreni hält den Sprinter an und meint, etwas könne nicht stimmen, der Wagen sei plötzlich so schwammig. Oh je, unser erster Platten. Nun stellt sich heraus, ob wir einen Reifen wechseln können.

Zuerst versuchen wir es mit einer Reifen-Flick-Spray-Dose. Funktioniert aber nicht. Weil es unser erster Platten ist wird unters Auto gekrochen, um den Wagenheber an der Hinterachse anzusetzen. Doch die Achse ist zu tief. „Zum Glück sind wir nicht auf einer Teerstrasse“ sage ich zu Vreni, während ich mit dem Spaten ein Loch in den Sand buddle, um den Wagenheber unter die Achse bringen zu können. Das gelingt schliesslich und wir heben den Wagen hoch. Erst später sehe ich, dass ich den Wagenheber nicht unter der Achse, sondern an der Aufhängung hätte anbringen müssen – die Graberei hätte also nicht sein müssen …

Als wir noch am Rad demontieren sind, hält plötzlich ein freundlicher Schwarzer neben uns an und packt ohne zu fragen mit an und so wie er gekommen ist verschwindet er auch wieder … da denkt man doch plötzlich an Engel.

In Keetmanshoop wird unser Reifen in maximal 20 Minuten geflickt. So flinke Hände haben wir selten gesehen.

Mesosaurus Fossiles & Graves

Video siehe ganz unten!

Östlich von Keetmanshoop liegen drei der bekanntesten Köcherbaum Parks. Köcherbaum – oder Quiver Tree – ist der Baum von dem gesagt wird, dass die Buschläute aus deren Äste Köcher für ihre Pfleile gefertigt haben sollen. Daher der Name „Köcherbaum“. Die Köcherbäume sind allerdings nicht wirklich Bäume sondern werden zu den Aloe-Gewächsen gezählt. Aloe dichotoma – der Name weist auf die Gliederung der Äste hin, da sich diese Aloe immer in zwei Äste verzweigt. Blütezeit ist im Juni.

Wir lesen in unserem Reiseführer, dass der Köcherbaumwald des Mesosaurus Parks mit über 5000 Köcherbäumen der attraktivste sein soll, weshalb wir uns für den etwa 40 Km östlich von Keetmanshoop liegenden Mesosaurus Park entscheiden.

Für die Nächte stehen wir auf dem Bush-Camp des Mesosaurus Parks. Ein Traum Camp mit allerdings einfachen Sanitäreinrichtungen. Man steht hier wirklich umgeben von Köcherbäumen. Wunderschön. Nebst der 4×4 Tour gibt es auch Wanderwege durch das Gelände. Ideal zum Fotografieren. Wir buchen gleich eine Führung mit Farmer Gielo (Gideon), der auch gebrochen Deutsch spricht. Gielo ist ein Künstler, er malt naive Bilder und ist ein Erzähl-Künstler. „Das jüngste Fossil“ auf dem Farmgelände, meint er. Wir geniessen die Führung im Besonderen auch weil uns Gielo so sympathisch herüber kommt.

Führung mit Gielo

Gielo zeigt uns zuerst das Grab des deutschen Unteroffiziers Splittgerber, der hier von den Nama getötet wurde, danach erzählt er von den Millionen von Jahren alten Mesosaurus Fossilien und dass diese der Beweis für die Existenz des Superkontinents Pangaea seien … wir winken ab und bedeuten Gielo, dass wir an die Schöpfung und nicht an die „Millions and Millions Years ago“ Märchen der sogenannten Wissenschaftler glauben würden. Gielo grinst und meint, er würde ja nur deren Version erzählen …

Nach dem Grab und den Fossilien bringt Gielo eine Steinformation mit dem Lied „Frere Jaque“ zum Klingen … unglaublich … und erläuterst die Köcherbäume.

Zeit zum Fotografieren. Zu dieser Jahreszeit steht die Sonne beinahe ganztags gut für „goldene Bilder“

Das Video

Gielo wusste noch nicht, ob er rechtzeitig zur zweiten Führung kommen könne – „seine Frau sei mit dem Auto in der Stadt und er wisse nie, wann sie nach Hause komme“ … es reichte dann doch noch für eine zweite Führung …

In Europa undenkbar …

Auf dem Weg nach Windhoek steuern wir in Mariental eine Tankstelle an und füllen unseren Diesel auf. Erst später, als wir den bezahlten Betrag in unsere Buchhaltung eintragen, bemerken wir das Sätzlein am unteren Rand des Kaufbelegs.

Quittung Diesel tanken-8460

Immer wieder stellen wir fest, dass im südlichen Afrika mit Fragen oder dem Bekenntnis des christlichen Glaubens viel entspannter und freier umgegangen wird, als in Europa oder unter Europäern.

Diesel Tank

In Windhoek wieder ein Zwischenhalt. Nicht nur zum Einkaufen, sondern unser neuer Diesel- Zusatztank ist undicht und seit der Zentralkalahari noch stärker. Nach mehrmaligem Aus- und Einbauen ist unser Vertrauen in die ausführenden Mitarbeiter des Unternehmens geschwunden. Die Messe sind zu scharf, mit welchen sie hantieren und ihr Wissen über Wohnmobiltechnik zu unbedarft. Den Einfüllschlauch z.B. haben sie uns schon einmal am Stutzen angeleimt, weshalb dieser nicht mehr entfernt werden kann und nach dem letzten Einbau ist er nun auch noch verbogen … So ziehen wir es vor, selber Hand anzulegen und bauen den reparierten Tank selber ein. Auf den nachfolgenden Bildern ist zwar nur Ernie zu sehen, aber Vreni hat genau so Hand angelegt, was hiermit betont sei!

Nach dieser Reparatur fahren wir in den Etosha Nationalpark. Es sei hier verraten, dass auch der Reparierte Tank weiterhin undicht war. Mit dem Tankbauer wurde deshalb vereinbart, dass er mit einer anderen Konstruktionsmethode einen neuen Tank bauen werde, den wir nach Etosha einbauen lassen können. Das ist in der Zwischenzeit so geschehen. Aber auch der neue Tank ist leck – allerdings bis jetzt nur in sehr geringem Masse, so dass wir hoffen, dieses Leck selber beseitigen zu können.